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Slam.It Poetry Slam

Sich selbst zum Ausdruck bringen und vor einer Menge Leute zu präsentieren – eine unabdingbare Gabe im modernen Leben. Und dennoch. Sobald man eine Bühne betritt, schlottern den meisten mutigen Personen die Knie, gefolgt von Schweißausbrüchen und einem Zittern in den Fingern. Die besten Künstler kennen das Gefühl. Doch wenn man nur mutig genug ist und sich traut, kann aus der nervösen Angst etwas Wunderbares werden. Das Unvorstellbare kann durchaus passieren – man kann sich wohlfühlen. So wie ich bei meinem ersten Poetry Slam.

Wie es dazu gekommen ist? Ja, das wüsste ich auch gern! Mein engster Freundeskreis hat es sich für ein Projekt zum Ziel gesetzt, einen Poetry Slam zu veranstalten. In einer gemütlichen Location, ein netter Abend mit gutem Wein und schönen Texten. Wie genau sie dann auf die Idee gekommen sind, mich zu bitten, ebenfalls auf ihrer “Slam-Bühne” aufzutreten, ist mir ein Rätsel und wurde von mir als guter Scherz aufgefasst. Also stimmte ich lachend zu. Ein guter Poetry Slam ist doch etwas Schönes, Legenden wie Julia Engelmann oder Paul Pizzera sind durch diese Möglichkeit, sich auf der Bühne zu präsentieren, bekannt geworden. Ganz leicht also. Wenn ich bloß gewusst hätte, wo ich da hineingeraten bin…

Glühbirnen
Zu viele Ideen verderben den Brei. (c) Tobias Höfinger

Poetry Slam Vorbereitung, wenn dich die Muse küsst

Besiegelt wurde der unfreiwillige Pakt mit meiner Anmeldung Ende Oktober, soweit ich mich noch recht erinnern kann. Und das Ganze sollte am 18. Dezember (wortwörtlich) über die Bühne gehen. Genug Zeit also, um einen 3-5 minütigen Text zu verfassen, ein Klacks würde manch einer gar behaupten. Doch da gab es ein kleines Problem – das Thema des Abendsdahoam” machte mir zu schaffen. Und wie aus dem Nichts war sie da – die gefürchtete Schreibblockade.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie häufig ich darüber nachgedacht habe, welche Mitteilung ich mit meinem Poetry Slam überbringen will. Ganz zu schweigen von meiner eigenen Darstellung, über den Humor-Faktor bis hin zur nötigen Emotionalität. Doch nichts half.

Schließlich fand ich mich am Tag der Wahrheit vor einem leeren Blatt Papier sitzen. Ohne Motivation, ohne Idee, leer im Kopf. Also setzte ich mir meine Kopfhörer auf und versuchte, der Realität zu entfliehen. Und auf einmal sprudelten die Wörter nur so aus mir raus. 1 Seite, 2 Seiten, 3 Seiten und plötzlich war da ein ganzer Text. Mein erster Poetry Slam, der nicht in meinen eigenen vier Wänden verbleiben wird. Glücklich die erste Hürde geschafft zu haben, spürte ich Hoffnung. Und hatte noch 1 Stunde Zeit bis das Event startete. (Ja die Zeit vergisst man, wenn die Muse einen küsst, gerne mal…)

Schreibmaschine
Wie im Turbo schrieb ich meine Gedanken nieder. (c) Tobias Höfinger

DEIN Poetry Slam braucht viel DU

Was wohl die geheime Zutat für meinen Text war? Das kann man pauschal nie so genau sagen, denke ich. Denn mein Poetry Slam war ich. Ich mit meinen Gedanken über die unterschiedlichsten Dinge, mit meiner Angst und meiner Liebe zugleich. Ich in einer der verletzlichsten Momente und doch glücklich wie eh und je. Es war nicht leicht, diesen Teil raus zu lassen, laut zu sein. Doch es war ein gutes Gefühl.

Außerdem habe ich auch in diesem Teil des Lebens die Musik wieder einmal für mich entdeckt. Denn auch ein Poetry Slam kann melodisch sein und sogar die Musik mit einbringen, so wie ich es getan habe. Da wurden Künstler zitiert, die poetisch genau zu meinem Text passten und mir quasi aus der Seele sprachen.

Schließlich ist jeder Text eine Reise. Eine Reise durch ein Gefühl, eine Erfahrung, eine Frage, ein Moment oder ein Ding. Eine Verwandlung, die einen Anfang und ein Ende mit sich trägt und diese zwei Teile passen meist wie Puzzle-Teile zusammen. Sie ergänzen sich, genauso sehr wie sich widersprechen. Doch sie beide runden den Text ab und weisen die gedankliche Wandlung innerhalb des Textes auf. Gemeinsam.

Vitus & Urban
Das Vitus & Urban schien die perfekte Location für das Event zu sein – heimelig und doch besonders. (c) Tobias Höfinger

Gänsehaut & Adrenalin – ein Feuerwerk

Den Text doppelt und groß genug ausgedruckt (es wäre doch schade, die eigene Schrift bei einem Auftritt nicht mehr entziffern oder lesen zu können) in die Tasche gepackt, machte ich mich also auf den Weg zur Veranstaltung. Empfangen wurde ich von einem vollen Raum, knapp 200 Leute waren gekommen, um unseren Texten Gehör zu bieten. 150 Leute mehr als von mir erwartet. Mein Nervositätslevel schoss wie eine Rakete durch die Decke. Mit dem richtigen Getränk in der rechten und meinem Text in der linken Hand stand ich somit da und lauschte den anderen Künstlerinnen und Künstlern, den Slammern, wie man so schön sagt, gespannt zu. Und befand meinen Text als viel schlechter. Doch es war zu spät.

Und dann war es so weit. Ein guter Freund, der die Rolle des Moderators für den Abend übernommen hatte, kündigte mich an und meine Beine setzten sich zitternd in Bewegung. In Richtung Bühne, in Richtung Scheinwerferlicht, in Richtung einer stets wachsenden Nervosität. Ich war so perplex, dass ich sogar ganz darauf vergessen hatte, mein Glas zuvor abzustellen. So fand ich mich also auf der Bühne wieder, immer noch mit dem Weinglas in der einen und dem Text in der anderen Hand. Und ich begann zu sprechen.

Mikrofon Poetry Slam
Das Mikrofon wurde von manchen Künstlern eher als Feind gesehen, wodurch man sie leider nur schwer verstehen konnte. Ich wusste, ich musste laut sein. (c) Tobias Höfinger

Bevor ich jedoch begann meinen Text vorzulesen, begrüßte ich das Publikum noch mit einem “Prost”, was die perfekte Gelegenheit war mein Glas doch am Boden abzustellen und erzählte die Geschichte, wie dieser Text, insbesonders wann er entstanden ist. Dann begann ich zu lesen.

“Nach Hause Gehn”

Ich las den Leuten vor. Schaute in die Menge. Gestikulierte mit meiner freien Hand herum. Versuchte laut zu sprechen, sodass mich jeder verstehen konnte. Atmete tief ein und aus. Und genoss es. Die 4,5 Minuten verstrichen wie im Nu und plötzlich begann die Menge laut zu klatschen und meine Freunde jubelten mir unterstützend entgegen. Ein Gefühl, welches das Adrenalin im eigenen Körper in neue Sphären treibt.

Poetry Slam
Ein volles Haus erwartete mich vor Ort. (c) Tobias Höfinger

Ich hatte es geschafft. Ohne mich zu verlesen. Ohne peinliche Stolperer, Stotterer oder anderen Problemen. Ich habe meinen ersten Poetry Slam Auftritt abgeliefert und es genossen. Das Ganze war mit Stolz verbunden. Natürlich war es schön nachher von den Zuhörern gelobt zu werden, gefragt zu werden, wie ich den Text bloß in so kurzer Zeit so gut schreiben konnte. Doch das alles war nicht zu vergleichen mit dem eigenen Gefühl, der eigenen Dankbarkeit, den Schritt gewagt zu haben. Kunstvoll laut gewesen zu sein.

Poetry Slam Bühne
Mein erster Poetry Slam Auftritt. (c) Tobias Höfinger

Also trau dich und wage den Schritt! Damit du deinen Poetry Slam auch gut präsentieren kannst, ist ein körperlicher Wohlfühlfaktor ein Muss. Die richtige Gesichtsmaske von KinGirls macht’s möglich und erfrischt Körper & Seele! Damit dein Werkzeug den Fokus auf sich lenkt, gibt es von Zlata den perfekten Tipp für volle Lippen.

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